Alfred Cramer
Architekt & Baurat
(geb. 1872 in Gotha – gest. 1938 in Gotha)

Ein Haus, wo Gothaer Villengeschichte auf dem Reißbrett geschrieben wurde, ... schildert der folgende Rückblick auf das Anwesen in der Reinhardsbrunner Str. 10.

Das Haus hatte 1905 der Architekt Alfred Cramer mit seiner jungen Familie bezogen. Cramer, der lange Jahre im Bauwesen Gothas eine führende Rolle spielte, projektierte in seinem dortigen Atelier zahlreiche Häuser. Seine eigene Villa ist älteren Datums.

Als Bauherr gilt Freiherr Ferdinand von Leesen (1804-1876), der die damalige „Große Leesenstraße“ zur Erschließung seiner Grundstücke anlegen ließ. 1864 übergab er sie dem Verkehr. Man geht davon aus, dass Leesen auch der Bauherr dieses ursprünglich eingeschossigen Wohnhauses mit Mansarde war. Bevor Cramer es erwarb, waren als Eigentümer der Schneidermeister Ernst Heyn, der Rentner Emil Lomnitz und die Witwe Malwine Eckardt im Grundbuch eingetragen.


Historie Teil I
Hier begannen Villengeschichten (... bis 1864)

... es war zwangsläufig immer wieder dazu gekommen, dass Villen von ein und demselben Architekten entworfen wurden. Im Falle von Otto Carus, Richard Neuland, Conrad Schaller, Julius Krusewitz und Richard Klepzig standen dann irgendwann auch deren, zum größten Teil von ihnen selbst projektierten Privathäuser im Mittelpunkt der Betrachtung. Insgesamt zwölf Mal taucht Alfred Cramer als Villenarchitekt in Gotha auf. Erinnert sei an die Friedrichs-Villa in der Schützenallee 12, das Lebens-mittelhaus Otto Böhm in der Marktstraße 11, das Dorotheenbad in der Dorotheenstraße 25, die Victoria-Adelheid-Pflege in der Schlichtenstraße 12, die Bauschule am Trützschlerplatz, die Ausstellungshalle im Park sowie den Erweiterungsbau der Gothaer Feuerversicherungsbank in der Bahnhofstraße 12.

Alfred Cramer wurde am 06. August 1872 als Sohn des Zimmer- und Baugewerksmeisters Carl Cramer (1840-1904) geboren. Nach einer Maurerausbildung besuchte Alfred von 1888 bis 1892 die Gothaer Baugewerbeschule. Anschließend absolvierte er von 1892 bis 1894 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Stuttgart, arbeitete anschließend in den renommiertesten Architekturbüros des In- und Auslandes und war danach einige Jahre in Hannover und Magdeburg tätig, bis er sich 1901 in seiner Heimatstadt als selbständiger Architekt niederließ. Am 14. Juni 1900 eröffnete er im Elternhaus (Uelleber Straße 36, inzwischen leider abgerissen) ein „Atelier für Architektur und Bauausführung“. 1903 arbeitete er zunächst im seines Vaters, dessen Nachfolge jedoch der älteste Sohn Fritz (1864-1943) antrat, der ebenfalls Zimmer- und Baugewerksmeister geworden war. Dies und vor allem die 1902 erfolgte Hochzeit, mit der aus Körner stammenden Toni, geb. in Rechenbach (1879-1954), sowie die Geburt des Sohnes Hans im Folgejahr, mögen die Ursache gewesen sein, dass sich Alfred Cramer nach eigenen vier Wänden umsah.
Nun würde jeder vermuten, dass er sich in bester Lage eine prunkvolle Villa entworfen und gebaut hätte. Seine Wahl fiel jedoch auf ein bereits vierzig Jahre altes Haus an der Ecke Reinhardsbrunner Straße / Leesenstraße. Das älteste Blatt in der Bauakte stammt aus dem Jahre 1865 und beinhaltete ein Bauvorhaben des Freiherrn Ferdinand von Leesen (1804-1876).

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